Lena 4: Lena und der Segen, der weiterwandert

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Veröffentlicht: 13.09.2026
Autor: Roland Greger

 Es war ein Sonntagmorgen. Lena saß neben ihrer Mutter in der Kirche. Der Gottesdienst war fast zu Ende und der Pastor sprach gerade seinen Segen über die Menschen. Lena hörte aufmerksam zu. Sie mochte das Wort. Segen. Es klang irgendwie besonders. Wie ein Geschenk. Wie etwas Warmes. Wie eine Hand, die jemand schützend auf deine Schulter legt.

Als sie später mit ihrer Mutter nach Hause ging, fragte Lena: „Mama? Was ist eigentlich ein Segen?“

Ihre Mutter lächelte. 

„Segen bedeutet, dass wir einem Menschen etwas Gutes von Gott wünschen. Dass wir ihn Gott anvertrauen. Dass wir ihm sagen: Gott soll mit dir sein.“

Lena dachte nach. 

„Kann ich auch jemanden segnen?“

„Natürlich.“

„Auch Kinder?“

„Ja.“

„Auch Tiere?“

Ihre Mutter lachte. 

„Du kannst für alles beten, was dir wichtig ist!“

Lena grinste. 

„Dann segne ich heute unseren Hund.“

Am Nachmittag saß Lena im Garten. Der Hund lag neben ihr im Gras und schlief. Lena legte ihm vorsichtig die Hand auf den Kopf.

„Jesus“, flüsterte sie, „bitte segne Bello. Und gib ihm ganz viele Knochen.“

Bello öffnete ein Auge. Lena kicherte. 

„Na gut. Vielleicht nicht ganz so viele.“

Doch am Abend musste Lena wieder an den Segen denken. Sie hatte das Gefühl, dass mehr dahintersteckt. Sie wollte Jesus fragen. Also setzte sie sich auf ihr Bett und legte ihre Hände auf ihr Herz.

„Jesus“, sagte sie, „was bedeutet es wirklich, jemanden zu segnen?“

Lange blieb es still. Dann spürte Lena etwas. Eine Wärme. Ganz sanft. Und tief in ihrem Herzen kam ein Gedanke: 

„Segen ist meine Liebe, die durch dich zu anderen Menschen fließt.“

Lena wurde ganz still.

„Durch mich?“

Der Gedanke blieb.

„Ja.“

Lena schaute auf ihre Hände. 

„Aber ich bin doch nur ein Kind.“

Und wieder spürte sie diesen Frieden. Als würde Jesus ihr sagen: „Du musst nicht groß sein, um Segen zu bringen.“

Lena lächelte. Sie wusste nicht genau, was das bedeutet. Aber sie würde es bald herausfinden.

Mias Mama ist krank

Am nächsten Morgen ging Lena zur Schule. Auf dem Schulhof bemerkte sie ein Mädchen, das allein auf einer Bank saß. Lena kannte sie. Sie hieß Mia. Normalerweise war Mia fröhlich. Doch an diesem Morgen sah sie traurig aus. Lena ging zu ihr. 

„Hallo Mia.“

Mia schaute auf. 

„Hallo.“

Lena setzte sich neben sie. 

„Warum bist du traurig?“

Mia zuckte mit den Schultern. 

„Ich weiß nicht.“

Dann schwieg sie eine Weile. Schließlich sagte sie: 

„Meine Mama ist krank. Sie muss heute wieder zum Arzt.“

Lena wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war kein Arzt. Sie konnte Mias Mama nicht gesund machen. Sie konnte auch nichts daran ändern, dass Mia Angst hatte. Aber plötzlich erinnerte sie sich an Jesus. An den Gedanken in ihrem Herzen: 

„Segen ist meine Liebe, die durch dich zu anderen Menschen fließt.“

Lena nahm Mias Hand.

„Ich kann für deine Mama beten.“

Mia sah sie überrascht an. 

„Jetzt?“

„Ja.“

Die beiden setzten sich etwas abseits. Lena schloss die Augen.

„Jesus, bitte sei bei Mias Mama. Schenke ihr Kraft. Und mach Mia keine Angst. Bitte lass sie wissen, dass sie nicht allein ist.“

Als Lena ihre Augen öffnete, schaute sie Mia an. Der flossen Tränen über das Gesicht.

„Danke“, sagte sie.

Lena wusste nicht, ob ihre Worte etwas verändert hatten. Aber sie wusste: Mia fühlte sich nicht mehr ganz so allein. Und vielleicht war das ein Segen.

Papa ist müde

In den nächsten Tagen begann Lena, auf kleine Dinge zu achten. Sie bemerkte, wenn jemand traurig war. Sie bemerkte, wenn jemand Hilfe brauchte. Sie bemerkte den Jungen, der immer allein seine Schulsachen trug. Sie bemerkte das Mädchen, das beim Zeichnen nie gelobt wurde. Sie bemerkte sogar ihren Vater, der eines Abends müde von der Arbeit nach Hause kam. Lena lief ihm entgegen.

„Papa?“

„Ja?“

„Du siehst müde aus.“

Ihr Vater lächelte. 

„Das bin ich auch ein bisschen.“

Lena legte ihre Arme um ihn.

„Dann segne ich dich.“

Er lachte. 

„Ach ja?“

Lena nickte ganz ernst. Dann legte sie ihre Hand auf seine Schulter.

„Jesus, bitte segne meinen Papa. Gib ihm Kraft. Und mach ihn froh.“

Ihr Vater sagte nichts. Dann nahm er Lena fest in seine Arme.

„Das war gerade genau der Segen, den ich gebraucht habe.“

Lena spürte wieder diese Wärme in ihrem Herzen. Das goldene Licht schimmerte ganz sanft. Da verstand Lena: Segen muss nicht groß sein. Manchmal ist Segen nur ein freundliches Wort, eine Hand, die festhält, ein Gebet, ein Lächeln. Oder einfach jemand, der sagt: „Ich bin bei dir.“

Der alte, einsame Mann

Ein paar Wochen später geschah etwas Besonderes. Lena war mit ihrem besten Freund Lukas im Wald unterwegs. Die Sonne schien durch die Bäume. Vögel sangen. Der Wind bewegte die Blätter hin und her.

Plötzlich blieb Lena stehen.

„Hast du das gehört?“

„Was?“

„Da war jemand.“

Sie gingen ein Stück weiter. Hinter einem großen Baum saß ein alter Mann. Er sah traurig aus. Neben ihm lag ein Korb voller Äpfel. Einige waren herausgefallen.

„Guten Tag“, sagte Lena vorsichtig.

Der Mann schaute auf. 

„Guten Tag.“

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Lena.

Der Mann seufzte. 

„Mein Korb ist umgefallen. Und ich bin heute nicht besonders gut zu Fuß.“

Lena und Lukas halfen ihm. Sie sammelten die Äpfel ein. Dann nahm Lukas den Korb.

„Wir tragen ihn für Sie.“

Der Mann lächelte. 

„Das ist sehr freundlich.“

Sie gingen gemeinsam ein Stück. Dann fragte Lena: 

„Warum sehen Sie so traurig aus?“

Der Mann schwieg. Schließlich sagte er: 

„Meine Frau ist vor einigen Monaten gestorben. Seitdem ist mein Haus so still.“

Lena wurde ganz ruhig. Sie kannte diesen Schmerz nicht. Aber sie wusste, was sie tun konnte. Sie setzte sich neben den Mann.

„Dann können wir für Sie beten.“

Der Mann sah sie lange an.

„Glaubst du, dass Gott mich hört?“

Lena nickte.

„Ja.“

„Auch wenn ich traurig bin?“

„Gerade dann.“

Der Mann lächelte traurig.

Lena nahm seine Hand.

„Jesus, bitte segne diesen Mann. Sei bei ihm, wenn er allein ist. Schenk ihm Trost. Und erinnere ihn daran, dass du ihn nicht vergessen hast.“

Der Wald war still. Keiner sagte etwas. 

Dann geschah etwas Seltsames. Lena spürte die Wärme in ihrem Herzen. Doch diesmal war sie anders. Es fühlte sich an, als würde das Licht nicht nur in ihrem Herzen bleiben. Es floss weiter. Wie ein warmer Strom. Von ihrem Herzen zu ihrer Hand. Von ihrer Hand zu dem alten Mann.

Natürlich konnte Lena nicht sehen, ob wirklich Licht durch ihre Hand floss. Aber sie spürte etwas. Frieden. Und der alte Mann fing plötzlich an zu weinen. Erschrocken zog Lena ihre Hand zurück.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“

Der Mann schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Es sind Freudentränen.“

„Freudentränen?“

„Ja.“

Er schaute zum Himmel.

„Ich habe lange nicht mehr gebetet.“

Dann sah er Lena an.

„Aber gerade habe ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder daran erinnert, dass Gott mich nicht verlassen hat.“

Lena lächelte.

„Das war Jesus.“

Der Mann nickte.

„Ja. Ich glaube, das war Jesus.“

Segen wird mehr, wenn man ihn teilt

Auf dem Heimweg war Lena sehr still. Lukas ging neben ihr. Nach einer Weile fragte er:

„Woran denkst du?“

Lena schaute auf ihre Hände.

„Ich glaube, ich habe verstanden, was Segen ist.“

„Was denn?“

Lena dachte kurz nach.

„Segen ist wie Licht.“

Lukas sah sie fragend an.

„Wie meinst du das?“

„Wenn ich eine brennende Kerze habe und jemandem anderen damit seine Kerze anzünde, wird meine Kerze ja nicht dunkler.“

Lukas nickte.

„Stimmt.“

„Im Gegenteil“, sagte Lena. „Jetzt leuchten zwei.“

Lukas grinste.

„Und wenn der andere wieder jemandem sein Licht gibt, leuchten drei.“

Lena lachte.

„Genau!“

Sie blieb stehen und schaute durch die Bäume. Die Sonne fiel golden durch die Blätter.

„Vielleicht ist Gottes Segen genauso.“

„Wie?“

„Gott gibt uns seinen Segen. Und dann dürfen wir ihn weitergeben.“

In diesem Moment wurde es ganz warm in Lenas Herz. Das goldene Licht begann heller zu leuchten. Dann schloss Lena für einen Augenblick die Augen. Tief in ihrem Herzen spürte sie wieder die Gegenwart von Jesus. Keine Stimme. Keine sichtbare Gestalt. Nur diesen Frieden. Und einen Gedanken:

„Du bist gesegnet, damit du ein Segen bist.“

Lena öffnete die Augen. Sie lächelte. Jetzt verstand sie. Gottes Segen bedeutet nicht: „Du bekommst alles, was du willst.“ Segen bedeutet: „Gott ist mit dir.“ Wenn du traurig bist, wenn du Angst hast, wenn du nicht weiterweißt, wenn du glücklich bist, wenn du etwas schaffst, und wenn du selbst einmal nicht genug Kraft hast. Gott bleibt bei dir. Und genau deshalb kannst auch du ein Segen für andere sein. Mit deinen Worten, mit deinen Händen, mit einem Gebet, mit deiner Zeit, mit einem Lächeln. Oder einfach dadurch, dass du bei jemandem bleibst, der gerade nicht allein sein möchte.

Lena legte ihre Hand auf ihr Herz. Das goldene Licht leuchtete sanft. Dann schaute sie zu Lukas.

„Komm.“

„Wohin?“

Lena grinste.

„Wir haben noch jemanden zu segnen.“

„Wen?“

„Bello.“

Lukas lachte und gemeinsam liefen sie nach Hause, denn Lena hatte etwas Wichtiges gelernt: 

Ein Segen ist kein Geschenk, das kleiner wird, wenn man es teilt. Ein Segen ist wie Licht. Je mehr man es weitergibt, desto heller wird es. Und irgendwo tief in Lenas Herzen wusste sie: Jesus hatte ihr nicht nur sein Licht geschenkt. Er hatte ihr gezeigt, wie sie es weitertragen konnte. Von Herz zu Herz, von Mensch zu Mensch, von einem kleinen Mädchen hinaus in die ganze Welt.

Und was hat Lena daraus gelernt?

Gott segnet mich, damit ich ein Segen für andere sein kann. Sein Licht wird nicht weniger, wenn ich es weitergebe, es wird heller.

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