"Krankheiten überfallen den Menschen
nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel,
sondern sind die Folgen fortgesetzter
Fehler wider die Natur."
(Hippokrates)





Auf Krankheit programmiert

Es ist viele Jahre her. Mir fiel auf, dass eine Kollegin, sie war damals Anfang dreißig, sehr häufig Ärzte aufsuchte oder krankgeschrieben war. So fragte ich sie:
"Sag mal, bist du irgendwie krank? Ich frage das, weil du so oft beim Doktor bist."

Fast wörtlich antwortete sie: "Oft, wieso? Ich habe nichts Spezielles. Weißt du, wenn man über dreißig ist, dann kommen die Krankheiten, das lässt sich doch gar nicht vermeiden, das ist doch ganz normal!"

Das sagte sie mir, einem fast zehn Jahre Älteren, der Arztpraxen meist nur von außen kannte. Für mich war es normal, nicht krank zu sein!

Ich erwiderte nichts weiter, aber innerlich war ich schockiert. Mir war es bis dahin noch nie so bewusst geworden, wie selbstverständlich wir Krankheit akzeptiert haben. In unserer Gesellschaft ist es ganz normal, regelmäßig krank zu sein, Medikamente zu schlucken und Ärzte aufzusuchen. "Das ist halt so", ist unsere weitverbreitete Meinung.

Es ist klar, wenn du einen Unfall hattest oder verletzt bist, dann brauchst du einen Arzt. Ein gebrochener Knochen zum Beispiel soll schließlich wieder anständig zusammenwachsen. Alarmierend allerdings ist die Selbstverständlichkeit, mit der wir Krankheit als solches hinnehmen und überhaupt nicht weiter darüber nachdenken.

Hypertonie (Bluthochdruck) wird heute als unangenehme körperliche Störung empfunden, aber nicht als schwere, chronische Krankheit, die es in Wirklichkeit ist. Adipositas (Fettleibigkeit) ist bei uns allgegenwärtig. Na und?!

Krebs, Schlaganfall, Herzinfarkt, das ist alles schlimm, aber was können wir schon dagegen machen? "Hoffentlich trifft es mich nicht!", lautet unser gängiger Verdrängungsmechanismus.

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